Rechtliches

Rechtliche Möglichkeiten des Vorgehens gegen Stalker

Rechtliche Schritte gegen Stalking (juristisch „Nachstellung“) sind leider in sehr vielen Situationen unabdingbar, auch wenn man sich als Opfer davor fürchtet. Der Weg zur Polizei bleibt aber häufig nicht aus, wenn man nur noch in Angst vor dem nächsten Angriff lebt. Leider reagieren auch viel zu wenige Menschen frühzeitig auf Stalkerangriffe, vor allem wenn es bereits um richtige Straftaten geht. So tut der 10. Liebesbrief mitsamt Blumenstrauß nicht weh, auch kann man dem Täter hier keinen Straftatbestand vorwerfen. Wer hier mit den richtigen Mitteln reagiert – siehe Regeln für Opfer eines Stalkers – der kann womöglich an dieser Stelle schon Ruhe bekommen. Andererseits reagieren viele auch nach körperlichen Angriffen noch nicht, auch nach Vergewaltigungen oder Schlägen halten sich Opfer noch zurück. Und genau hier beginnt die Frage – Wann sollte man zur Polizei gehen? Wann machen Anzeigen und Straftatverfolgungen Sinn? Und welche Möglichkeiten habe ich in welchen Situationen?

An dieser Stelle sei darauf hingewiesen, dass Sie hier keine Rechtsberatung erhalten. Wir möchten Ihnen lediglich aufführen, welche Wege und Mittel Ihnen zur Verfügung stehen, um rechtlich gegen den Täter vorzugehen. Die meisten Wege führen natürlich nicht an der Polizei oder der Staatsanwaltschaft vorbei, die meisten Fälle landen früher oder später vor Gericht. Wirklich immer zu empfehlen ist die Zuhilfenahme eines Anwaltes, wobei es kein Patentrezept für rechtliches Vorgehen gibt. Hier geht es immer um den Einzelfall, denn jede Täter-Opfer-Beziehung verläuft anders. Rechtliche Schritte sind auch nicht immer sinnvoll, auch wenn Sie im Recht stehen und dieses auch bekommen möchten.

So kann es natürlich auch vorkommen, dass aufgrund einer Strafanzeige keine Strafverfolgung aufgenommen wird und der Täter mit einem blauen Auge davon kommt. Was bleibt sind die Gerichtskosten und ein Stalker, der höchstwahrscheinlich an Rache denkt. Eine professionelle Beratung durch einen Anwalt ist in jedem Fall sinnvoll!

Rechtliche Wege

Generell haben Opfer zwei Möglichkeiten. Entweder das strafrechtliche Weg oder der zivilrechtliche Prozess. Darüber hinaus machen manchmal zunächst die Wege aus unserem Regelwerk gegen Stalker Sinn. Anhand dieser Verhaltensmaßnahmen können bereits einige Tatbestände zusammengetragen werden und es wird ersichtlich, wie weit der Täter geht. Fakt ist, dass niemand aufgrund von ständigen Anrufen ins Gefängnis kommt.

Ist Stalking in Deutschland überhaupt strafbar?

Erst seit dem Jahr 2007 ist auch in Deutschland das Stalking strafbar. So können immer fortwährende Nachstellungen sogar mit einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren geahndet werden. In Berlin eröffnete ein Jahr darauf die Beratungsstelle Stop-Stalking, in der sich sowohl Täter, als auch Opfer beraten lassen können. Doch wie steht es um die Stalking Rechtslage und die Strafen für die Täter?

Die unerwünschte und einseitige Kontaktaufnahme, darunter fallen auch Verunglimpfungen oder Demütigungen einer Person, fallen unter den Begriff Stalking. Telefonterror, rufschädigende Anzeigen oder Auflauern einer Person kann unter gewissen Umständen einen Straftatbestand erfüllen. Eine Gesetzesänderung war auch dringend nötig, denn zuvor war Opfern nur zu raten gewesen, ihr Leben zu ändern, klein beizugeben und sich aus der Schusslinie zu bringen. So muss nun nicht mehr wie zuvor nachgewiesen werden, dass das Leben durch die Aktivitäten des Stalkers beeinträchtigt ist. Die Reaktionen der Opfer sind also nicht mehr von Relevanz, die Taten des Stalkers hingegen umso mehr.

Diese Gesetzesänderung sollte Betroffenen Mut machen sich zu wehren. Denn Fakt ist, der Stalker muss in seinem Handeln verändert und gestoppt werden, nicht die Opfer müssen ihr Leben umkrempeln.

Strafen für Stalker

Generell können bis zu drei Jahre Haft auf die Täter fallen, darüber hinaus sind aber auch Geldstrafen möglich. Ehe es jedoch zu einem Prozess kommt, müssen die Gerichte feststellen, dass der Telefonterror tatsächlich stalkende Eigenschaften besitzt. Auch gibt es keine Kliniken für Stalker, wie es in Großbritannien der Fall ist, lediglich eine Sicherheitsverwahrung ist ggf. vorgesehen. Für die Opfer ein geringer Trost, denn schon Experten fürchten, dass die Täter schneller wieder rückfällig werden.

Jugendliche Täter – eine besondere Gefahr

Das Stalking unter Jugendlichen wird von Experten besonders gefährlich betrachtet, denn Jugendliche neigen dazu, jemanden zu schikanieren oder verlangen nach Vergeltung. Auch können diese in jungen Jahren mit Zurückweisungen schlechter umgehen als Erwachsene. Vermeintliche Ungerechtigkeiten zuhause äußern sich dann im Stalking, wenn der Jugendliche seine Opfer als Ventil für seine eigenen Probleme nutzt. Anrufe, Drohungen und ständiges Auflauern sind typisch, meist wird ein schwaches Selbstwertgefühl kompensiert. Kleinste, negative Anmerkungen bringen das Fass oft zum Überlaufen, sodass die Jugendlichen häufiger im Affekt handeln. Je nach Alter des Täters können junge Menschen aber genauso für ihre Taten belangt werden.

Wird mein Kind gestalkt?

Leider sind auch viele Kinder von Stalking betroffen, oft auch Minderjährige, dessen Eltern sich zu Recht große Sorgen machen. Hier bedeutet das Stalking Dauerstress und Psychoterror, das Kind fühlt sich verfolgt und zieht sich zurück. Wer sein Kind beobachtet und feststellt, dass es sich immer stärker verschanzt, abweisend reagiert und auch den Freundeskreis meidet, der sollte an dieses Thema denken. Stalking muss dabei nicht immer in der realen Welt passieren, gerade in heutiger Zeit muss auch an das Cyberstalking gedacht werden. Schlafstörungen, Alpträume und innere Unruhen sind die Folgen, Kinder reagieren nicht selten auch mit körperlichen Symptomen. Ein gutes Vertrauensverhältnis zu seinem Kind ist hier das A und O. Möglicherweise sind Lehrkräfte für das Problem ein guter Ansprechpartner, darüber hinaus ist der Gang zur Polizei ein weiterer Schritt.