Strafrecht

Strafrecht & Stalking

Strafbare Handlungen (Beispiele)

Stalking ist strafbar. Ab wann hier jedoch ein tatsächlicher Straftatbestand besteht, entscheidet letztendlich die Staatsanwaltschaft. Sie beurteilt, ob der Täter sich strafbar gemacht hat oder nicht. Generell können nun angeführte Straftatbestände erfüllt sein, müssen es aber nicht. Das bedeutet, dass ein Täter auch ohne nachfolgende Tatbestände belangt werden kann, denn auch viele einzelne, kleine und nicht strafbare Handlungen können das Puzzle eines Stalkers zusammenfügen. Und so möchte man verhindern, dass sich Täter immer weiter an der Schwelle des Strafbaren bewegen und immer weiter psychischen Druck auf ihre Opfer ausbauen.

Typische Täteraussagen wie: „Ich stehe doch nur abends unter diesem Fenster, auf einem öffentlichen Gehweg und gucke durch die Gegend“, können fortlaufend als Stalking ausgelegt und geahndet werden. Es sind dennoch die Einzelfälle, die entscheiden.

Körperverletzung

Direkte und körperliche Angriffe sind auch ohne Stalking-Hintergrund eine Straftat, allerdings unter den Fällen von Stalking häufig anzufinden. So ist es meist die übliche Gewalt von Männern, wehrlosen Frauen gegenüber. Dazu gehören Schläge ins Gesicht oder in andere Körperteile der Betroffenen. Auch Verletzungen, die mittels anderer Gegenstände zugefügt werden, gehören in den Bereich Körperverletzung. Waffen und Ähnliches natürlich ebenso, sodass hier ganz klar ein Straftatbestand vorliegt. Kommen derartige Vorfälle vor, so ist den Betroffenen zunächst anzuraten, Fotos zu machen und sich an einen Arzt zu wenden.

Sachbeschädigung

Auch Beschädigungen am Eigentum der Betroffenen sind keine Seltenheit. So beschmieren Stalker oft Wände, lassen sich an den Autoreifen aus oder treten Türen ein. Immer wieder hört man auch von Fällen, in denen das Haustier verletzt oder gar getötet wird. Auch hier erfüllt die Sache einen Straftatbestand.

Hausfriedensbruch

Das unerlaubte und vorab untersagte betreten einer fremden Wohnung oder eines Grundstückes nennt man Hausfriedensbruch. Stalker brechen in vielen Fällen dann in die Wohnung ein, wenn die Person nicht zuhause ist. Wird dies vermutet, so sind Kameraaufzeichnungen womöglich sinnvoll, auch wenn diese Aufnahmen vielleicht nicht zulässig sind. Dennoch lässt sich der Täter dadurch vorführen.

Nötigung und Bedrohung

Öffentlich ausgesprochene Drohungen können ebenfalls einen Straftatbestand erfüllen. So sind Sätze wie: „Ich bringe dich um“ oder „Wenn du das nicht tust, dann…“ eindeutige Drohungen, die bestraft werden können. Auch die Nötigung, eine Person zu etwas zu zwingen oder sie einzusperren, stellt ein schwerwiegendes Delikt dar.

Verleumdungen, üble Nachrede und Beleidigung

Auch hier treffen wir eindeutig auf Straftaten. Diese tun zwar keinem weh, dennoch können sie psychischen Schaden anrichten und die Lebensumstände der Betroffenen nachhaltig verändern. Üble Nachreden oder Verleumdungen könnten den Opfern beispielsweise ihren Arbeitsplatz kosten, Beleidigungen lassen das Opfer noch mehr zu einem werden. Auch hier greifen Gerichte durch, wenn derartige Vorfälle zu Protokoll geführt werden.

Sexuelle Nötigung

Auch in sexueller Hinsicht kann die Nötigung eine Straftat darstellen, sogar in noch weitläufigerem Ausmaß. Jeder sexuelle Zwang, und sei es nur einfaches Anfassen welches die betroffene Person nicht wünscht, ist der Kategorie sexueller Nötigung zuzuordnen. Geht dies noch weiter, so sprechen wir von Vergewaltigung im tatsächlichen Sinn. Belästigt fühlen darf sich das Stalkingopfer aber auch bereits, wenn der Täter in einigen Metern Entfernung zu onanieren beginnt. Eine diffuse Vorstellung, leider aber bittere Realität.

Pornografische Schriften verbreiten

Nicht selten beginnen Stalker ihre sexuellen Fantasien mit und an der Auserwählten zu praktizieren. Sie selbst geilen sich an diversen pornografischen Inhalten auf und möchten diese mit dem Stalkingopfer teilen. So wird der Person folglich eine Mail mit einem Link zu einem Porno geschickt oder anzügliche Bilder per Post versendet. Auch diverse Ansagen auf dem Anrufbeantworter mit anzüglichen Inhalten zählen darunter. Hier dürfen sich Betroffene in keinem Fall schämen zur Polizei zu gehen, so wie es leider häufiger der Fall ist.

Verletzung des persönlichen Lebens- und Geheimbereiches

Auch diese Tatsache ist eine Straftat und beschreibt diverse Eingriffe in den persönlichen Bereich eines Menschen. Dazu gehören sämtliche geheime Bereiche, die niemanden etwas angehen. So können Stalker der Betroffenen entsprechend auflauern, sie beobachten und verfolgen, dessen Handynummer und Mobilfunkdaten herausfinden, Bankdaten ermitteln und andere persönliche Daten herausfinden. Hierbei kann der Person großer Schaden entstehen, nicht nur finanziell.

Einer oder mehrere Straftatbestände sind erfüllt – was nun?

Straftaten müssen bei der Polizei angegeben werden, sodass Opfer hier einen ersten Ansprechpartner finden. Sie erstatten Strafanzeige und kümmern sich um die Vorwürfe. Damit einige Delikte überhaupt verfolgt werden, beispielsweise die Beleidigung, muss von Seiten des Opfers ein Strafantrag gestellt werden. Bei der Polizei kann man natürlich sämtliche betreffende und vorgefallende Straftatbestände aufnehmen lassen. Die Polizei ist dazu verpflichtet, alle Strafanzeigen aufzunehmen und alle Ermittlungen einzuleiten. Aufgenommene Verfahren dürfen auch nicht eingestellt werden. Opfer können hier helfen und genaue Angaben zu Täter, Handlung, Ort und Zeit machen. Vielleicht gibt es schon ein paar Beweismittel?

Wie geht es jetzt weiter?

Polizei und Staatsanwaltschaft werden folglich die notwendigen Maßnahmen ergreifen. So kann es passieren, dass ein Haftbefehl gegen den Täter ausgesprochen wird. Dies kommt zwar nur in sehr schwerwiegenden Fällen vor, allerdings kann dies folglich auch ohne Antrag des Opfers durchgeführt werden. Das Opfer ist in diesem Fall weitgehend zu entlasten, es sei denn, es besitzt weiterführende Beweismittel, die bei der Ermittlung helfen.

Wichtig zu wissen ist, dass Opfer in diesen Fällen KEINE Kosten für die Verfahren tragen müssen. Auch dann nicht, wenn es der Polizei und Staatsanwaltschaft nicht gelingt, eine Verurteilung auszusprechen. Bekommt der Täter hingegen nur eine Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe auf Bewährung, so kann es unter Umständen problematisch für das Opfer werden.

Generell kann das Opfer bei schwerwiegenden Delikten persönlich am Strafverfahren teilnehmen und Nebenklage erheben. So gibt es neben der Staatsanwaltschaft einen zweiten Kläger, das Opfer kann vollen Einfluss auf den Prozess nehmen. Opfer können sich hier auch vom Gericht einen Anwalt zuordnen lassen, auch hier fallen keine Kosten an.

 

Hier geht es zum exaktem Wortlaut des Gesetzestext § 238 Nachstellung aus dem StGB (Strafgesetzbuch).