Umgang

Wie vor Stalking schützen?

Regeln & Maßnahmen für den Umgang mit Stalkern

Opfer können sich vor Stalking schützen und müssen nicht länger die Opferrolle einnehmen. Wer keinen Kontakt zu einer Person wünscht, der muss dies unmissverständlich ausdrücken. Oft verstehen Betroffene das Verhalten des Stalkers nicht, können sich viele Handlungen nicht erklären und fragen sich: „Warum ausgerechnet Ich“? In nicht wenigen Fällen geht die Grübelei sogar soweit, dass Betroffene denken, sie selbst würden etwas falsch machen.

Ist Ihnen auch schon einmal eine der folgenden Sätze in den Sinn gekommen?

  • „Es muss ja einen Grund geben, warum er ausgerechnet mich so behandelt!“
  • „Ich hab ja selbst schuld, hätte ich damals nicht so freundlich geantwortet.“
  • „Wahrscheinlich habe ich ihm zu viele Hoffnungen gemacht.“
  • „Das ist die Strafe für meine Fehler, jetzt muss ich damit Leben.“
  • „Ich sollte mich nicht so anziehen, vielleicht liegt es an meinem Aussehen?“
  • „Irgendwie tut er mir leid, er meint das vielleicht gar nicht so, nur ich fasse es falsch auf?“

Natürlich ist man versucht, eine vernünftige Erklärung zu finden, weswegen man selbst eben zum Opfer eines Stalkers wird. Doch Vernunft und Stalking passen in keiner Weise zueinander. Im Gegenteil. Stalker denken ab einem gewissen Punkt nicht mehr über ihr Handeln nach und schon gar nicht über IHRE Gefühle oder Gedanken. Es geht ihnen meist um sich selbst, um unbefriedigte Gefühle, um Kontrolle, Macht und Aufmerksamkeit.

Und: Sie haben rein gar nichts verkehrt gemacht! Sämtliche Handlungen Ihnen gegenüber, die Sie definitiv nicht möchten, sind nicht Ihrem Konto zuzuschreiben.

Trotzdem sollten Sie sich ab sofort als „Opfer“ richtig verhalten und die richtigen Schutzmaßnahmen einleiten.

 

 

 

Regeln im Umgang mit einem Stalker

Hilfe ich werde gestalkt, was nun?

Regel Nummer 1 – Kommunikation

Stalker wollen in der Regel nur eines: Aufmerksamkeit, Aufmerksamkeit und Aufmerksamkeit. Je mehr Sie auf seine Spielchen reagieren, Angst zeigen, sich verstecken, gar mit ihm diskutieren, auf seine Versuche immer wieder reagieren, umso weiter werden die Stalkingattacken führen. Wenn Sie es also nicht schon einmal, oder gar mehrmals, getan haben, sagen Sie dem Stalker klar und unmissverständlich „Ich wünsche keinen weiteren Kontakt mit Dir. Bitte schreibe mir nicht, rufe mich nicht an und such mich nicht auf! Ich möchte das nicht und fühle mich belästigt!“ Sollte Ihnen dafür der Mut fehlen, so können Sie diese Sätze auch von einem Dritten überbringen lassen oder zusätzlich schriftlich mitteilen. Jede weitere Reaktion seinerseits wird ab sofort ignoriert.

Regel Nummer 2 – Öffentlichkeit

Die Öffentlichkeit schützt, denn was Stalker nicht möchten, ist aufzufliegen oder gar für ihre Taten belangt werden. So sollte man direkt Nachbarn, Freunde und Arbeitskollegen einweihen und von den Stalkingattacken berichten. Möglicherweise hilft es auch, ein Bild vom Stalker herumzureichen. So gibt es nichts Unangenehmeres für den Stalker, wenn er von Ihrer Nachbarin auf die Belästigungen angesprochen wird. Öffentlichkeit schützt!

Regel Nummer 3 – Dokumentation und Beweise

Nicht immer geben sich Stalker mit einem klaren „Nein“ ab, vielen ist es auch egal, wenn er selbst im Gespräch ist. So kann es mitunter natürlich vorkommen, dass der Fall vor Gericht geht. Dokumentieren Sie deshalb möglichst alles genau, was mit dem Stalking zu tun hat. Heben Sie E-Mails, Nachrichten und Geschenke auf und sammeln Sie alles. Notieren Sie Datum, Uhrzeit und andere Auffälligkeiten genau. Vielleicht konnte schon eine Freundin einen Anruf mithören.

Regel Nummer 4 – Telefonterror verhindern

Sehr häufig kommt es auch zu ständigen Telefonanrufen. Hier kann eine zweite Telefonleitung hilfreich sein, die künftig für Freunde und Verwandte erreichbar ist. Die alte stellen Sie auf stumm und am besten in die Ecke. So bekommen Sie selbst vom Telefonterror nichts mit und der Stalker wird nicht stutzig.

Regel Nummer 5 – die Polizei

Auch wenn Sie noch nicht viele Beweise vorliegen haben und auch, wenn Sie einfach nur Angst haben, gehen Sie zur Polizei und bestehen Sie auf eine Anzeige. Damit ist der Stalker registriert und gemeldet, kommt es zu weiteren Anzeigen, so kann das bei Gericht sehr hilfreich sein. Auch haben Sie die Möglichkeit einer einstweiligen Verfügung. Mit dieser darf sich der Stalker Ihnen nicht nähern. Tut er es dennoch, so kann die Polizei bereits früh eingreifen. Seien Sie auf jeden Fall auf dem Rechtsweg konsequent, auch wenn Sie gebeten werden, die Anzeige fallen zu lassen. Werden Sie im Auto von Ihrem Stalker verfolgt, so fahren Sie direkt zur Polizei.

Regel Nummer 6 – Zeugen

Einige Stalker machen sogar vor den eigenen vier Wänden keinen Halt, stehen ständig vor der Tür. Kümmern Sie sich um Zeugen, bestenfalls die Nachbarn.

Regel Nummer 7 – keine Pakete oder Geschenke des Stalkers annehmen

Nehmen Sie Pakete oder Geschenke, die Sie selbst nicht bestellt haben, nicht an. So gehen die Lieferungen stets an den Empfänger zurück und der Stalker merkt, über diesem Weg keinen Zugriff mehr zu haben.

Regel Nummer 8 – Schützen Sie Ihr Leben!

Leider kann kein Gericht dieser Welt einen Stalker für immer wegsperren und leider helfen auch Therapien oder Maßnahmen nicht immer, damit der Stalker nach seinem Gefängnisaufenthalt Ruhe gibt. Handelt es sich also um großen Psychoterror und um immer wiederkehrendes Stalking, so könnten Sie an einen Neuanfang denken. Das soll keineswegs ein „Weglaufen“ oder „Unterkriegen“ darstellen, sondern dient in gewisser Weise einem Schutz. Lassen Sie die neue Meldeadresse vor Auskünften schützen, vielleicht wechseln Sie auch Ihren Arbeitgeber. Wichtig ist, dass der Stalker sein Interesse an Ihnen verliert. Im besten Fall wird es ihm irgendwann zu heikel, die vielen Anzeigen bei der Polizei, die vielen Mitwissen und dann auch noch die Unerreichbarkeit durch Telefon und Zusteller. Sehen Sie das große Ganze und versuchen Sie, sich in die kranke Welt eines Stalkers einzufühlen. Wird es ihm langweilig, lässt er auch Sie in Ruhe.